Plädoyer gegen CCS in Brandenburg

Der brandenburgische Bundestagsabgeordnete Hans-Georg von der Marwitz hat heute ein eindeutiges Plädoyer gegen die Verpressung von CO2 in unterirdische Lager abgegeben. Auf dieser CCS genannten Verpressung und Lagerung wird eine Säule des Energiekonzepts der Bundesregierung basieren. Denn um die CO2-Minderungsziele zu erreichen, zu denen sich Deutschland international verpflichtet hat, müsste auf Kohle als Energieträger verzichtet werden. Dies funktioniert natürlich nicht, wenn eine sichere und kontinuierliche Energieversorgung der Verbraucher – also Verkehr (Bahn), Industrie und private Haushalte – sichergestellt bleiben soll. Im Augenblick exportiert Deutschland wohl Strom, der auch durch die vielen Solaranlagen und Windräder erzeugt wird. Doch der Verbrauch in Deutschland dürfte hierzulande ebenso wie weltweit steigen, so dass die vorausgesagte Stromlücke wahrscheinlich ist. Diese Argumentation wird sicher die Bundesregierung beim Energiekonzept leiten. Mehr Stromverbrauch trotz wachsendem Anteil der Erneuerbaren hieße eben auch, dass die Grundlast unverändert bleibt und wie bisher konventionell erzeugt werden müsste. Es sei denn, dass die Erneuerbaren Energien schneller steigen, als der zusätzliche Stromverbrauch. Das Energiekonzept der Bundesregierung wird den Ausbau der Erneuerbaren begrüßen, Atomkraftwerke moderat länger laufen lassen, Gaskraftwerke ebenso wie Kohlekraftwerke gutheißen und deshalb auf CCS setzen.

Der CDU- Abgeordnete besetzt frühzeitig eine Position und setzt sich absehbar in Widerspruch zu seiner Parteichefin und Bundeskanzlerin. Die Argumente von der Marwitz‘ sind nachvollziehbar. Er greift die Sorge der Bürger auf, die Sicherheitsrisiken sehen. Diese Risiken – verdrängtes Salzwasser, Leckagen, Giftstoffe im Boden, Überdruck und damit Konflikte zu Tiefengeothermie sowie Kostenfragen – beschreibt er detailliert und zitiert wissenschaftliche Quellen bis hin zu Beratergremien der Bundesregierung und dem Bundesumweltamt. Sein Blick nach Norwegen klärt uns auf, dass dortige CCS-Projekte aus Kostengründen nicht mehr gefördert werden, der Staat also kein Interesse am Fortgang der Erprobung hat.

Screenshot

Homepage Hans-Georg von der Marwitz'

Georg von der Marwitz argumentiert auf einem zweiten Strang. Noch ist CCS in der Erprobung. Sollte es sich als möglich erweisen und die Zulassung bekommen, würde der Zeithorizont der Nutzung begrenzt bleiben. Die Schätzungen zur „Kapazität“ legen nämlich nahe, dass nur für 11 – 40 Jahre die möglichen Lagerstätten Reservoir bildeten. Die neuen Kraftwerke besäßen aber viel längere Laufzeiten. Ist das sinnvoll?

Von der Marwitz folgt natürlich dem „Wählerwillen“ in seinem ostbrandenburgischen Wahlkreis. Eine CO2-Versuchsverpressung läuft bereits seit einem Jahr bei Ketzin im Havelland. Wenn die negativen Folgen und geologischen Verwerfungen bis zu 30 Kilometer im Umkreis auftreten können, ist das Osthavelland mit seinen einwohnerstarken Gemeinden Seeburg, Dallgow-Döberitz, Wustermark, Brieselang und Falkensee potentiell betroffen!

Ist das eine Variante des St. Florians-Prinzips? Von der Marwitz regt eine Erprobung unter der Nordsee an. Mir stellt sich die Frage, wie das Gas dorthin kommen soll, z. B. von den Vattenfall-Kraftwerken in Berlin oder Ostbrandenburg. Milliarden Tonnen Gas transportiert keine Lkw-Flotte und keine Bahn. Eine CO2-Gasleitung wird jedoch zu noch stärkeren Protesten führen, denn aus möglichen Leckagen austretendes CO2 würde sich am Boden sammeln und den Sauerstoff verdrängen. Keine guten Aussichten für Mensch und Tier. Oder gibt es clevere Ideen für den Transport?

Als Betreiber einer Solaranlage leitet mich quasi die Überzeugung, dass regenerative Energien künftig viel mehr zum Strommix beitragen können. Je nach Speichertechnologie wird das früher oder später so kommen. Neben dem technischen Fortschritt sind natürlich auch Kostenfragen zu berücksichtigen. Regierungen können auch wegen des Strompreises abgewählt werden. Doch wenn nicht überall Gaskraftwerke errichtet werden können, weil die Bürger zu Recht protestieren und Deutschland sich nicht in absolute Abhängigkeit von Russland begeben darf, und Kohle auch ausfällt, bleibt nur Atomkraft, um die Pausen in windarmen Zeiten und in der Nacht zu überbrücken. So ehrlich muss man dann sein.

Wer sich das Argumentationspapier ansehen will, kann es auf der Homepage Georg von der Marwitz‘ herunterladen: http://www.von-der-marwitz-mdb.de/lokal_1_4_37_Marwitz-fordert-Verzicht-auf-CCS-und-praesentiert-Positionspapier.html

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3 Gedanken zu „Plädoyer gegen CCS in Brandenburg

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