Das Spielen kommt im Leben an

Unter der Kuppel: Microsofts Politik-Homepage

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Ich bin Spieleverweigerer. Und somit völlig unkreativ. Musste ich heute lernen. Beim Politik-Frühstück von Microsoft ging es heute Morgen nicht nur um Facebook und die Cloud sondern um neue Geschäftsfelder im digitalen Markt. Microsoft will dort mitmischen. Wir Consumer denken ja, Microsoft läuft allen Entwicklungen hinterher. Ja, das stimmt auch. Aus heutiger Sicht. Doch für die Schlachten von morgen bringen sich die Protagonisten schon heute in Stellung. Oliver Kaltner aus der Microsoft-Geschäftsleitung zeigte sich heute Morgen beim Politik-Frühstück jedenfalls in seinem Element, als er über Möglichkeiten von Spiele-Steuerungen im Alltag, gesprochene Mails und CloudComputing schwärmte. Noch nicht alles verloren für Microsoft?

Spiele? Nicht auf meinem PC! Auf meinem iPhone habe während der letzten „iTunes Gratis-Aktion“ im Januar zwei Spiele installiert und ausprobiert, aber nie gespielt. Schon auf meinem ersten PC 1994 ließ ich keine Spiele zu. Was soll der Quatsch? Alles Zeitvergeudung. Da klicke ich mich lieber durch http://themeforest.net oder http://graphicriver.net oder lese auf http://www.smashingmagazine.com/ und http://t3n.de die neuesten Szene-News, bastele selbst an Websites oder sortiere meine unendlich vielen Bilder oder die Musikstücke aus den 80ern. Und „Freizeit“ für Familie und die Kommunalpolitik muss ich mir auch vom Schlafen abknapsen. Alles braucht Zeit. Spiele dagegen sind Zeitfresser. Dumm. Nutzlos.

Das sieht Microsoft wohl anders. Seit zehn Jahren gibt es dort eine „X-Box“ zum Spielen. Fristete ein Nischendasein und wurde belächelt bis vor einem Jahr der Sensor Kinect eingeführt wurde, der Gestensteuerung erlaubte. Plötzlich explodierte der „X-Box“-Marktanteil von 13 auf unglaubliche 28 Prozent. Aber nicht nur die privaten Anwender scheinen das Teil zu lieben. Damit sind auch Firmenanwendungen machbar. Zum einen kann eine Spielekonsole alles mögliche steuern. Zum anderen wollen BMW und andere Hersteller die Gestensteuerung, um anschaulich realistische Warenpräsentationen für ihre Kunden zu ermöglichen. Eine digitale Anwendung steuern ohne Tastatur oder Maus – genial. Nicht zu vergessen, auch Ärzte wollen bei Operationen mit Gesten Geräte steuern – so wie in Computerspielen. Mimiksteuerung ist die nächste Stufe. Und Microsoft misch erfolgreich mit.

Manager Kaltner schwärmte von kreativen Feedbacks aus der Community oder von Kunden, die ganz andere Dinge mit Kinect machen, auf die man bei Microsoft selbst gar nicht gekommen ist. Und weil Microsoft zunehmend consumerorientiert denkt und ausgerichtet ist, werden die Ideen aufgenommen und deren Marktreife und -umsetzung ernsthaft geprüft (siehe BMW).

Spiele haben sich als Innovationsmotor erwiesen, sagte Kaltner. Grafik, Engineering-Programmierung und Gestensteuerung und anderes mehr, was einst für Spiele erdacht wurde, wird zunehmend in normale Software einfließen. Dazu passt die Netdoctor-Pressemeldung von heute: Kinder & Jugendliche: Videospiele fördern Kreativität (http://www.netdoktor.de/News/Kinder+Jugendliche-Videospi-1135976.html). Wer hätte das gedacht? Und mit dem für Spiele erfundenen Geschäftsmodell, online weitere Module verfügbar zu machen und gegen Geld zu verkaufen, wird künftig Microsoft verschiedenen Nutzergruppen verschieden tief gestaffelte Produkte anbieten, nicht nur im Spiele-Markt.

Spiele fördern also die Kreativität und schaffen für Weltkonzerne weiteres Innovationspotenzial und neue Märkte. Aber Kaltner sagte, was er im Vorstand wohl auch sagt: Man muss nicht selbst spielen. Wenn sich Ideen anderer vermarkten lassen, reicht das fürs Erste. Kurve gerade so noch erreicht.

Weitere Themen waren der Datenschutz im Umfeld von lokal based Services sowie Facebook und auch bekanntes, was noch zum Schmunzeln anregt. Beispiel: Seitdem unsere Handys mit Messengern ausgestattet sind, Facebook und Twitter einbinden und das pure Surfen erlauben, telefoniert man weniger. Ja, das gute alte Telefongespräch ist mit Smartphones auch noch möglich. Geld verdienen dürften die Provider damit aber nicht mehr. Zweites Beispiel: seit Smartphones tragen wir unser Büro mit uns herum. In der Bahn, ja selbst im Urlaub sind wir jederzeit empfangs- und sendebereit.

Jederzeit birgt aber auch ein Risiko. Was man bei einem Manager der Kommunikationsbranche nicht erwartet, drückt Oliver Kaltner aus: Burn out greift um sich, wird durch Kommunikation und neue Devices potenziert und sollte von den Firmenleitungen nicht zugelassen werden. Also lieber das „Nein, ich habe jetzt Feierabend“ der Mitarbeiter akzeptieren, als Firma und Mitarbeiterfamilien schädigen durch permanenten Stress.

Es war ein interessanter Morgen. Auch weil Kaltner behauptete, das erste wirklich konsequent papierlose Büro zu führen. Das könnte ich mir nicht vorstellen.

Microsoft Deutschland will weiter oben mitspielen. Ob das klappt, wird sich zeigen. In der Analyse der Lage sind sie in Unterschleißheim schon gut. Gleichwohl haben sie aktuell mit ihrem Windows Phone gegen Android und iPhone kaum eine Chance. Mit Bing und dem Streetside-Projekt laufen sie anderen Anbietern hinter her. Windows 8 dauert noch 1 Jahr und Apple wird bis dahin viele Macs, vor allem iPads verkaufen, Google vielleicht sogar einige Chromebooks. Keine gute Lage für Microsoft. Doch es ist gut, wenn ein engagierter großer Player im Geschäft bleibt. Schließlich zeigt Microsoft soziales Engagement. 25 GB kostenfreier Cloud-Speicher im Live-Account sind auch nicht schlecht. Und ein Gegenpol zu Apple und Google schadet nicht. Monopole und Oligopole behindern den Markt und Innovationen, uns Kunden und letztlich die Unternehmen selbst. Also viel Glück.

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