Nächstes Jahr neuer Ausschuss

Dies war die letzte Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Tourismus nicht nur in diesem Jahr sondern für diese Legislaturperiode – vielleicht auch für immer. Nicht dass Verwaltung und die Mitglieder der Arbeit überdrüssig geworden sind oder dass die Arbeit nicht mehr erforderlich wäre. Aber der Ausschuss wird umbenannt. Wegen der Integration des Jobcenters als sechstes Dezernat in die Kreisverwaltung – dies ist Konsequenz des Zuschlages als Optionskommune – werden die Dezernate neu strukturiert. Die Ausschüsse folgen.

Der Wirtschaftsausschuss wird sich bei seiner nächsten Sitzung am 11. Januar 2012 als „Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Kultur, Sport und Tourismus“ konstituieren. Der „Sozialausschuss“ kümmert sich künftig um Soziales und Gesundheit. Als neuer, 6. freiwilliger Ausschuss, bildet sich ein Gremium „Grundsicherung für Arbeitssuchende“. Dies vereinbarten die Fraktionsvorsitzenden, so dass die Bestätigung im Kreistag als Formsache gilt.

Die Sitzung begann mit der Verwunderung darüber, dass am kommenden Dienstag ein Workshop zur Zukunft des Tourismus im und um Schloss Ribbeck ausgerichtet wird. Die mehrstündige Nachmittagsveranstaltung sollte nicht nur für die Mitglieder im zuständigen Ausschuss sondern für alle Kreistagsabgeordneten offen sein. Doch offenbar wurden in mehreren Fraktionen die Einladungen nicht weiter gereicht, so dass an einer gültigen Einladung gezweifelt werden darf.

Abgesehen von der Frage, wer als Ehrenamtler dienstags um 14 Uhr Zeit freischaufeln kann, gehört es sich nicht, eine Einladung an alle Kreistagsmitglieder nur den Fraktionsvorsitzenden zuzuleiten, und ihnen das weitere Prozedere zu überlassen. Das Kreistagsbüro hat die Kapazitäten für Mail- und Postversand an alle.

Zwei Regionalplaner stellten als Hauptpunkt der Sitzung das Wirtschaftsentwicklungskonzept Westbrandenburg vor. Interessante Erkenntnisse über die Arbeitsplatzdichte und Pendlerbeziehungen trösteten mich nicht darüber hinweg, dass ich zunehmend eine Abneigung gegen Konzepte entwickle. Ohne die Arbeit herabwürdigen zu wollen – schließlich gibt es erstens solche und solche Konzepte und zweitens war die Präsentation zu kurz für eine fundierte Einschätzung und drittens sind die im Folgenden benannten Städte Träger und Zahler des Konzeptes, es findet auch keine Beratung und Beschlussfassung im Kreistag statt – fand ich zumindest die Inhalte des Vortrages wenig aussagekräftig wenn es darum gehen sollte, wie das Westhavelland zusammen mit Brandenburg a. d. H. wirtschaftlich gedeihen kann.

Die Referenten Anja Marquardt und Dr. Michael Göbel fanden aber heraus, dass die Arbeitsplatzdichte, also die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten seit 2005 wieder steigt. Interessant auch, dass die Zahl der Einpendler nach Brandenburg an der Havel heute die Zahl der Auspendler um etwa 2.200 übersteigt. Im Jahr 2000 war dieser Saldo ausgeglichen. Rathenow hingegen war immer eine Einpendlerstadt, in der viele Bürger der umliegenden Dörfer ihre Arbeitsstellen hatten.

Ob wirtschaftliche Beziehungen zwischen Brandenburg an der Havel, Rathenow und Premnitz überhaupt Sinn ergeben, war eine der vorausgehenden Untersuchungen. Und siehe: starke Pendlerbewegungen bestehen zwischen Rathenow und Premnitz aber nicht zwischen Rathenow und Brandenburg a. d. H.. Offenbar zieht es auch mehr Pendler von Potsdam nach Brandenburg an der Havel und umgekehrt sowie von Brandenburg nach Berlin als nach Rathenow oder Premnitz. Trotzdem: Mit der gemeinsamen BUGA-Bewerbung und dem Zuschlag für die Bundesgartenschau 2015 entlang der Havel wollen die drei Städte auch enger kooperieren. Und die Firmen bestimmten Branchen wie „Kunststoff / Chemie“ sollen sich vernetzen.

Eine meiner Fragen wäre gewesen, ob denn neben den Ober-Bürgermeistern und Verwaltungen, neben Kammern und Fachhochschule Brandenburg auch die Unternehmer direkt eingebunden sind. Denn schließlich geht es doch bei einem Wirtschaftskonzept vor allem die wirtschaftlich tätigen Unternehmen und deren Arbeitskräfte, für die etwas heraus kommen soll, oder?

Natürlich wurde mit Unternehmern gesprochen, soll es Unternehmer-Stammtische geben, hatte Dr. Göbel bereits gesagt. Er erhielt bei den Gesprächen von den Unternehmern die Auskunft, um Fachkräfte müsse sich die Region noch keine Sorgen machen. Allerdings bestehen Personalengpässe bei Hochqualifizierten. Allerdings sollen Broschüren erstellt werden, weil beim Nachwuchs kaum bekannt sei, welche Berufe die heimischen Firmen anbieten und was man dort verdienen könne. Außerdem werde an Ausbildungsbörsen gedacht.

Ich finde das zu sehr auf die Jugendlichen fixiert. In de Realität läuft das doch so ab: Wer an der Fachhochschule Brandenburg sein Studium abschließt, findet selten eine Stelle in der Region, noch dazu anständig bezahlt. Annonciert doch mal ein Unternehmen einen lukrativen Job, hat der Absolvent viele Mitbewerber. Nur einer wird genommen. Die anderen ebenfalls sehr gut qualifizierten Bewerber gehen leer aus. Es erfolgt keine Nachbetreuung oder Vermittlung in andere Firmen. Die Fachkräfte ziehen weiter, sind für die Region verloren. Hier sollten die Cluster, also die Unternehmen einer Branche viel besser miteinander kommunizieren. Sonst ist der Fachkräftmangel schneller da, als erwartet. Statt Konkurrenz wäre Kooperation erfordert.

Ach ja, die Fachhochschule Brandenburg: nur 9 Prozent der Studierenden kommen aus dem Havelland, 40 aus Berlin, 7 sind Ausländer.

Als größter Schwachpunkt wird die Erreichbarkeit von Premnitz und Rathenow gesehen. Mein Kollege Rico Buchta kritisierte dies wortreich: es müsse andere Kriterien geben, die stärker sind als die vorgestellten. Schließlich expandiere das Osthavelland auch ohne Wirtschaftskonzept.

Es wäre noch einiges zu fragen und zu sagen gewesen. Doch nach den sechs Punkten von Herrn Buchta schloss Ausschussvorsitzender Appel den Punkt.

Der Ausschuss beschloss einstimmig, die Tochterfirma Märkischer Landmarkt GmbH in die Märkische Ausstellungs- und Freizeitzentrum GmbH (MAFZ) einzugliedern (Verschmelzung). Der Ausschuss mahnte ein Konzept an. Dezernent Andreas Ernst sagte zu, dass konzeptionell, strategisch und inhaltlich überlegt wird, um das MAFZ in Paaren / Glien zukunftsfähig aufzustellen.

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