Es wurde eng: Der Wahlausgang in Brieselang

Gegen viertel acht: Ergebnis knapp, doc der Wahlabend war gerettet

Gegen viertel acht: Ergebnis knapp, doch der Wahlabend war gerettet

Wilhelm Garn ist als Bürgermeister in Brieselang wiedergewählt worden. Doch der Wahlabend war kurzzeitig eine Zitterpartie.

Die meisten Brieselanger entschieden sich, am Wahltag für gemütliches Ausspannen, Spaziergänge, Garten- und Hausarbeit, Ausflüge oder andere Beschäftigungen. Eben nur nicht für den Gang ins Wahllokal. Jeder zweite Wahlberechtigte blieb Wahlverweigerer. Warum kann letztlich nur Spekulation bleiben: Desinteresse, Nichtwissen, bewusste Wahlenthaltung oder möglicherweise die Überzeugung, dass Brieselang keiner Veränderung bedarf. Auch wer meinte, das Wahlergebnis gehe schon klar für Wilhelm Garn aus, blieb möglicherweise zuhause.

Die letzten Gedanken dienen nicht als bloße Schutzbehauptungen zur Rechtfertigung des lediglich knappen Wahlsieges von Wilhelm Garn. Denn die Motivation zum Wählen ist größer, wenn die Chance zum Wechsel in die eigene politische Vorliebe passt. Etwas aktiv zu verteidigen, nämlich dem akzeptierten Bürgermeister eine zweite Amtszeit zu bescheren, ist wesentlich schwieriger. Wie vermittelt ein Amtsinhaber, dass es am Wahltag zwei Kandidaten mit den gleichen Chancen gibt? Dass es am Wahltag bei Null losgeht und nur die Stimmen gelten, die auch abgegeben wurden? Dass die Amtszeit automatisch endet und auch für die Verlängerung eine Mehrheit erforderlich ist, also Wähler dafür stimmen müssen?

Dass der Herausforderer sein Reservoire ausgeschöpft hat, steht also eher zu vermuten, als dass der Amtsinhaber alle potentiellen Wähler an die Urne gebracht hat. Gewiss ist, dass der Herausforderer seine Unterstützer aus FDP, Piratenpartei und Die Linke alle zum Wahlgang bewegen konnte. Trotzdem hat es nicht gereicht, wenngleich der Stimmenanteil mit über 40 Prozent weit über dem FDP-Bundeswert liegt und selbst wohlmeinende Beobachter es in Brieselang erwartet hatten. Alle Achtung für dieses Ergebnis!

Die Nichtwähler bleiben verborgen, ebenso wie ihre Motive. Eine Demoskopie gab es nicht, was schade ist. Aber selbst, wenn die Nichtwähler von gestern weitgehend ebenso wie die Wähler abgestimmt hätten, wäre das Ergebnis nicht zugunsten des Herausforderers gedreht worden. Denn zu vermuten, dass Unterstützer von Herausforderer Heimann der Wahl fern blieben, ist wenig realistisch.

Stimmenauszählung in der Oberschule (Wahllokal 3)

Stimmenauszählung in der Hans-Klakow-Oberschule (Wahllokal 3)

Der Wahlabend war durchaus spannend: Beim Besuch der Wahllokale 3 und 4 während des Auszählens kurz nach 18 Uhr sah ich erschreckend viele Stimmzettel mit dem Kreuz beim Herausforderer. Die Zettelberge hielten sich in etwa die Waage. Ich hatte das so nicht kommen sehen. Es beweist sich wieder einmal, dass Wahlen geheim sind und Geheimnisse bergen. Der Ausgang bleibt offen und Erwartungen oder Spekulationen können enttäuscht werden.

Als die kleinen Wahllokale in Bredow und Zeestow sowie das Wahllokal 1 ausgezählt waren (das ist der Stimmbezirk des Herausforderers, also seine Nachbarschaft ganz im Norden der Gemeinde), führte der Herausforderer. Nach 6 von 10 ausgezählten Stimmbezirken lag Wilhelm Garn nur mit 51 zu 48 Prozent in Führung. Als 9 von 10 Wahllokale gemeldet hatten, neigte sich die Waage stärker zugunsten Garns: 56 zu 43 Prozent. So blieb auch das vorläufige amtliche Endergebnis. Während über Brieselang sich die schwüle Luft in einem Gewitter entlud, entspannte sich die Stimmung im „Gasthaus Brieselang“, wo endgültig feiern angesagt war.

Wilhelm Garn dankte in einer kurzen Ansprache seinen Unterstützern von der eigenen Familie, den Unionsfreunden, der Wählervereinigung BFB und Teilen der SPD. Er versicherte, dass er seine ganze Kraft bis zum letzten Tag seiner zweiten Amtszeit für die Gemeinde einsetzen werden. Die Anspannung wich auch bei ihm. Sicher war das knappe Ergebnis auch ein Dämpfer. Er wird darüber nachdenken. Doch statt als „lahme Ente“ zu enden, wird er künftig freier agieren können. Er hat einiges vor. Nicht alles stand im Wahlprogramm. Wir dürfen also einen engagierten, fleißigen und mutigen Bürgermeister erwarten. Mit mancher Überraschung.

Der Herausforderer darf sich zugute halten, sein demokratisches Recht wahrgenommen zu haben. Methoden und Inhalte seines Wahlkampfs waren teilweise verwirrend, manchmal nicht mehr fair. Er rüttelte an der Autorität des Bürgermeisters. Manches wird Wilhelm Garn künftig anders angehen. Ob es zum Nutzen der Gemeinde ist, muss sich erst erweisen.

PS: Dank einer vergessenen Speicherkarte blieb die Kamera in der Tasche. Nur mit einem Smartphone waren situative Schnappschüsse möglich, die keinerlei höheren photografischen Anspruch erheben.

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