Keine Alternative

Schnappschuss ins SPD-Wahlforum

Schnappschuss ins SPD-Wahlforum

Zum ersten Mal stellte sich Bürgermeister Wilhelm Garn am 20. Mai dem Herausforderer außerhalb der Gremien. Dort, im Rathaussaal, hat sich Ralf Heimann den Ruf eines „Rough Boy“, also eines rauen Kerls (um nicht zu sagen eines „Raufboldes“ im bildlichen Sinne) „erarbeitet“. An diesem Abend vor dem gespannten Publikum meist ergrauter SPD-Mitglieder und einigen interessierten Unterstützern des einen oder anderen Kandidaten wollte Herausforderer Heimann das Bild des seriösen Finanzwissenschaftlers zeichnen.

Ralf Heimann war sichtlich bemüht, als Saubermann zu erscheinen. Im dunklen Dreiteiler mit weißem Hemd trat er auf, fein abgestimmt die blaue Krawatte. Als Dozent an einer Ausbildungsschmiede für Bankangestellte besitzt er nicht nur das Rüstzeug gewendeten Auftretens und die entsprechende Rhetorik. Er agierte wie in einem Schulungsvideo für angehende Verkaufsrepräsentanten im Versicherungswesen a la „Wie ich stündlich 500 Euro verdiene – das können Sie auch“.

Mag sein, das er damit den besseren ersten Eindruck machte. Eigentlich passten Outfit und Auftreten nicht zu der Runde bodenständiger SPD-Mitglieder in der Sportlerklause in Brieselang. Es passte auch nicht ganz zu Heimann selbst: Er sah aus wie ein Guido-Jünger, jener Typ knallharter wirtschaftsliberaler FDP-Karrierist. Selbst nannte er sich einen Sozialliberalen, „der für die FDP zu links“ ist. So gesehen weckte er nun wieder Erinnerungen an die Edel-Sozialisten Oskar Lafontaine, Porsche-Fahrer Klaus Ernst oder den vormaligen IG-Metall-Chef Jürgen Peters.

Wilhelm Garn war ganz er selbst: etwas zu leger im kurzen blaugestreiften Hemd. Die obligatorischen zwei oberen Knöpfe blieben offen. Etwas zu holprig mit der Sprache: während er im Geiste schon die nächsten Sätze bildete, kam er mit den Worten ab und zu durcheinander. Schon in der Vorstellung sagte er, er sei 1959 geboren. Dabei rutschte wohl die 9 vom 9. November aus dem nächsten Satz auf seine Zunge und machte ihn glatt fünf Jahre jünger. Immer rastlos eben.

Der „Schlagabtausch“ blieb weitgehend aus. Das Unwetter prasselte nur auf‘s Dach der Sportlerklause während der Vorstellung beider Kandidaten. Die Fragen von Versammlungsleiter Andreas Ernst und die Fragen aus dem Publikum waren schon von einiger Brisanz. Die Antworten blieben deutlich aber sanft. Die Kontrahenten setzten zwar eigene Akzente, erwähnten aber den jeweiligen Wettbewerber überhaupt nicht. Das ist etwas, was sogenannte Wahlkampf-Experten erfolgreich Parteien eingeimpft haben: Vermeide es, den Gegner zu erwähnen. Macht nur in so einem Forum keinen Sinn. Denn wenn der Gegner zwei Stühle weiter sitzt, kann man nicht so tun, als gäbe es ihn nicht.

Wilhelm Garn präsentierte sich als Macher. Er war aus der Wirtschaft gekommen. Nach etlichen Jahren als Selbständiger ging er in den 80ern zu ALBA und konzipierte unter anderem die gesamte Entsorgung des Potsdamer Platzes. In Brieselangs Rathaus hatte er sich dem Sanieren des Haushaltes verschrieben. Kassenkredit (das ist der Dispo-Kredit der Kommunen) zurück gefahren, um Bürgschaften der kommunalen Gesellschaften gekümmert, Freiräume geschaffen und so Investitionen ermöglicht. Das in Angriff genommene Sanieren der gemeindlichen Finanzen darf Garn sich getrost als einen der größten Erfolge seiner ersten, achtjährigen Amtszeit anrechnen.

Herausforderer Heimann hatte sich gut vorbereitet. Sein Steckenpferd ist auch die Haushalts- und Finanzpolitik und er wollte sich als Finanzpolitiker darstellen. Braucht Brieselang eigentlich nicht (siehe vorstehenden Absatz). Doch statt Sparen und Konsolidieren hatte er immer wieder Vorschläge zum Geld ausgeben parat: viel mehr Personal im Rathaus, Schaffung neuer Räumlichkeiten neben dem Rathaus, Vermarktung Gewerbeflächen (mit Anzeigen in der FAZ (sic!)), Ankauf von Flächen für neuen Festplatz, Privatisierung Bauhof mit vorherigem Gutachten, zweites Fahrzeug für den BürgerBusBrieselang, neue ehrenamtliche Fahrer durch VBB- oder Havelbus-Jahreskarten gewinnen. Mag alles im Wahlkampf Punkte bringen, weil dies durchaus wünschenswert wäre. Aber nicht ein Sparvorschlag! Was ist das für eine FDP-Linie?

Bleiben einige Fragen:

  • Warum passt das Bild, das Kandidat Heimann so gern von sich vermittelt, so rein gar nicht zu seine Auftritt in Gemeindegremien?
  • Warum trat er gerade vor SPD-Mitgliedern wie ein Vertreter jener Institute auf, die für Banken- und Wirtschaftskrise verantwortlich sind?
  • Warum greift er Bürgermeister Wilhelm Garn genau dort an, wo Garn die größten Erfolge erreichte?

Es bleibt als Fazit festzustellen: einen solchen Herausforder braucht Brieselang nicht. Natürlich fand Heimann Unterstützer, doch persönliche Antipathien gegen Wilhelm Garn sind kein guter Ratgeber bei der Betrachtung des Gemeinwohls. Garns Erfolge sind nämlich nicht wegzudiskutieren. Und eine bessere, an den Realitäten der Gemeinde orientierte politische Alternative hat Heimann nicht aufgezeigt.

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