Kraftwerksgegner bleiben agil

Die Bürgerinitiative gegen ein Gas- und Dampfkraftwerk in Wustermark gibt nicht klein bei. Angesichts des massiven Lobbyings des potentiellen Investors, einer Wählergemeinschaft und einer zweiten Bürgerinitiative für das Gaskraftwerk antworten die Kraftwerksgegner kraftvoll. Herausgekommen ist ein erstaunlich professioneller Bürgerbrief, der beste seit langem. Er beinhaltet brisante Informationen und Nachrichten, die noch nicht in der Presse standen: Aktuell, interessant und kritisch aber sachlich.

Seit einigen Wochen verschicken die „Bürger für Wustermark“ mit der BRAWO sonntags Jubel-Werbung für das geplante Gaskraftwerk. Vorsicht ist geboten! Die sehr einfache Aufmachung und die vielen Rechtschreib-Fehler sollen offenbar darüber hinwegtäuschen, dass hier viel Geld in die Hand genommen wird. Merkwürdig ist nicht nur, dass die Argumentation mit der als Werbung korrekt gekennzeichneten „Information“ des Investors „Wustermark Energie“ fast Hand in Hand geht und sich die Themen zuspielt. Vor allem die Einnahmen für die Gemeinde, die Reduzierung der gemeindlichen Schulden werden übereinstimmend als vordergründiges Argument benannt. Langfristig soll es viel Geld für Wustermark geben aus dem nach dem Großflughafen BBI größten Investitionsobjekt in Brandenburg. Nun hat die Landes-Politik das Projekt noch nicht wie seinerzeit Lausitz-Ring, Cargolifter und Chip-Fabrik gepuscht, doch bei den Stichworten Großprojekt bzw. Großinvestition sollten alle Alarmglocken klingeln.

Wie „Bürger für Wustermark“ diese Werbung bezahlen, ist unklar. Wer sind überhaupt „Bürger für Wustermark“? Eine Homepage gibt es (noch?) nicht – Transparenz sieht anders aus! Sicher mag es Einwohner und Menschen in und um Wustermark geben, die dem geplanten Gaskraftwerk nicht feindlich gegenüber stehen und sich sogar die versprochenen Einnahmen für die überschuldete Gemeinde wünschen. Doch scheint es sich hier um den Kreis einer Handvoll Interessierter zu handeln, die offenbar bereit sind, die Pro-Argumente aufzuschreiben, Druckvorlagen zu erstellen, mehrere tausend Exemplare ihrer Information zu drucken und mit der BRAWO zumindest in Wustermark und Brieselang verteilen zu lassen. Wer sich einmal die Preislisten von günstigen Online-Druckläden und die Gebühren der BRAWO angesehen hat, wird sich wundern. Wer bezahlt das freiwillig? Ohne ein richtiges Impressum sind jeweils 4 Namen von bisher nicht öffentlich in Erscheinung getretenen Personen vermerkt. Wer sind diese Personen, die Geld ausgeben für die wirtschaftlichen Interessen Dritter? Was ist ihre Motivation?

Eine Antwort bietet der aktuelle Bürgerbrief der Kraftwerksgegner. Einer der Sprecher der „Bürger für Wustermark“, Herr R., ist leitender Angestellter bei Siemens, jenem Ko-Investor, der für das Gas- und Dampfkraftwerk künftig neuartige Turbinen liefern und als Referenzprojekt betreiben will. Man darf vermuten, dass das Engagement des Ingenieurs R. vom Arbeitgeber wohlwollend begleitet, wenn nicht gar unterstützt wird. Fairerweise sollte das Impressum der „Bürger für Wustermark“ darauf hinweisen. Es bleibt nicht zuletzt für das Finanzamt interessant, wer nun genau die Rechnungen für Druck und Verteilung der BfW-Publikationen bezahlt.

Der Bürgerbrief der Bürgerinitiative gegen ein Dampfkraftwerk informiert außerdem über einen Schalltest am 12. März 2011. Ziel war es, die tieffrequenten Töne, die von langsamlaufenden Ventilatoren, Kesseln und Turbinen ausgehen, darzustellen. Zwar erfährt man nicht, wie sie das gemacht haben, aber der Erlebnisbericht besagt: „Es war ein unangenehmes, tiefdurchdringendes Geräusch. Nachdem es abgeschalten war, atmeten alle Anwesenden auf. Auf Nachfrage eines Anwohners, wie die Lärmsituation wäre, wenn der Wind bläst, wurde ausgeführt, dass sich das Geräusch dann ca. um bis zu 2 – 3 dB(A) erhöhen könnte.“

Dann gehen die Autoren des Bürgerbriefs auf die Positionierung des Vorsitzenden des Ortsverbandes der Linken, Kreistagsmitglied Thomas Bank, ein und blicken auf die jüngsten Veranstaltungen und die politischen Gremien in Wustermark zurück.

Nicht zuletzt bewertet der Bürgerbrief den aktuellen Status nach dem positiven Abschluss des Raumordnungsverfahrens und ordnet diesen in die weiter unklare Mehrheitslage in Wustermark ein. Ganz zum Schluss wird erklärt, wie man seinen Stromanbieter wechseln kann.

Leider finde ich den Brief wieder nicht auf der Homepage der BI. Die dortigen Texte stehen auch nicht im Newsletter. Schade. Immerhin gibt es eine Themenseite, vielleicht wird der Brief ja nachgeschoben auf: http://gaskraftwerkwustermark.wordpress.com/tag/infobrief/

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Ein Gedanke zu „Kraftwerksgegner bleiben agil

  1. Pingback: Info gegen Kraftwerksbau « Ralf Kothe aus Brieselang

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