Kraftwerksgegener demonstrieren in Brieselang

An diesem Vormittag erlebte ich nach 20 Jahren wieder eine Demonstration. Ich nahm an der Protestveranstaltung der Bürgerinitiative gegen den geplanten Bau des Gas- und Dampfkraftwerkes Wustermark im Zentrum von Brieselang teil. An den Blöcken in der Schillerstraße trafen sich wir Kraftwerksgegner. Die Demo war lange angekündigt, es gab Mails und Kurzmeldungen in der Presse. Gestern fuhr wohl auch noch einmal ein Lautsprecherwagen durch Brieselang-Süd. Doch die Teilnahme ließ zu wünschen übrig. Kein Interesse oder schon resigniert? Die Initiatoren haben sich alle Mühe gegeben. Und sogar das Fernsehen war da. Doch fehlt die Erfahrung. Ich schätze, ganze 80 Gegner des Gaskraftwerkes fanden sich ein. Nur wenige aus Brieselang-Süd, wo die
Abgas-Fahne zuerst auf bewohntes Gebiet trifft. Das ist dort wahrscheinlich noch immer nicht bekannt, obwohl inzwischen Tages- und kostenlose Wochenzeitungen seit Monaten berichten und heute auch was im RBB-Fernsehen laufen wird. Warum erreicht die Nachricht die betroffenen Menschen nicht?

Bei der Demo war es bitterkalt und dann stellen sich alle auch noch in den Schatten! Vorn auf der Straße scheint die Sonne, hier im Schatten des Plattenbaus gefriert der Atem.

Der Lautsprecher macht etwas Probleme. So kann man nicht alles verstehen, was die Redner sechs Meter entfernt den Demonstranten zurufen. In den angrenzenden Häusern, wo rund 400 Menschen wohnen dürften, dringen die Worte wohl selten bis zu den Bewohnern vor. Die fröhnen der typischen Samstagmorgenarbeit: Hausputzt und Vorkochen des Mittagessens für heute und morgen.

Die Redner rufen zum Widerstand auf und wiederholen die bekannten Argumente. Das ist kurios: Zaungäste gibt es nicht und alle die, die wegen des Themas gekommen sind, sollen noch einmal „überzeugt“ werden. Jedenfalls folgt auch der Aufruf, individuelle Stellungnahmen fristgerecht bis kommenden Freitag bei der gemeinsamen Landesplanung Berlin-Brandenburg abzugeben.

Bei dem folgenden Umzug werden Schillerstraße, Pappelallee und die weiteren benutzten Straßen gesperrt: Vornweg fährt ein Polizeiwagen mit Blaulicht, gefolgt von einem Traktor mit Leiterwagen, voll bespannt mit Transparenten. Dann kommt die Gruppe der Demonstranten. Einige Bewohner der Häuser öffnen die Türen. Doch die Neugier bleibt größer als die Bereitschaft mitzutun. Ob sie in der Zeitung  nachlesen werden, um was es hier ging?

Am Ende zerstreut sich die Kundgebung. Wer sich kennt, tauscht noch ein paar persönliche oder private Informationen aus. Es gibt aufmunternde Worte und Durchhalteparolen. Das war es. Demo vorbei. Aber darum ging es auch (das war es): Durchhalten. Und man hat sich mal wieder in der Öffentlichkeit gezeigt. Fernsehen und Zeitungsfotografen waren da.

Reicht das? Ich glaube, eine eigene Zeitung, die allein an der Demonstrationsstrecke in alle Hausbriefkästen gesteckt worden wäre, hätte für das Anliegen mehr erreichen können. Mit den anwesenden Kraftwerksgegnern hätte man ganz Brieselang in eineinhalb Stunden bestücken können. Trotzdem: Chance nicht vertan. Doch stetig weiter Protest artikulieren, bleibt erforderlich. Zurücklehnen können wir uns nicht.

Auf dem Heimweg komme ich am Sportplatz vorbei. Dort erfolgt gerade der erste Spatenstich zum neuen Sozialgebäude des Sportvereins „Grün-Weiß Brieselang“. Der Bürgermeister ist auch da. Schätzungsweise mit 250 anderen Sportlern, Betreuern, Vereinsverantwortlichen und Angehörigen …

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