Stellungnahme zum angekündigten Streik im Regionalverkehr

Letzte Woche machten sich Michael Koch und ich am Bahnhof noch einen Scherz, dass es doch lange keinen Streik mehr gab bei den Lokführern oder anderen Bahnbeschäftigten. Schon komisch, nicht. Denn heute rief die Märkische Allgemeine bei mir an, und erkundigte sich zu Vorbereitungen auf den Streik. Natürlich habe ich mich der üblen Situation von 2008 erinnert, als wir im Winter frierend auf den Bahnsteig standen: Es war auch Streik und der Notfahrplan besagte, dass der RE 4 deshalb auch in Brieselang hält, weil RB 10 und RB 14 nicht besetzt werden konnten. Als der Zug kam, war er lang über der Zeit. Die Zehen war fast schon zu Eisklumpen erstarrt. Der RE nahm die Weiche, fuhr an den Bahnsteig, aber bremste nicht. Er rauschte einfach durch … Am Ende des Bahnsteigs fuhr er zurück auf das Durchfahrtsgleis und war weg!

Ich musste dann erstmal in die Bäckerei und zum Aufwärmen einen Kaffee trinken. Dann hieß es weiter warten. Genau weiß ich es nicht mehr, doch eine Stunde später hielt dann ein RE.

Die MAZ wird unter anderem mit dieser Geschichte morgen im Lokalteil aufmachen. Online ist der Artikel jetzt schon verfügbar.

„Bibbernde Pendler an den Gleisen. Regionalbahnen, die auf sich warten lassen. Notfallfahrpläne, die nicht eingehalten werden. Ralf Kothe hat den letzten Streik bei der Bahn im Winter vor zwei Jahren in schlechter Erinnerung. Die Aussicht, bald wieder in der Kälte vergeblich auf seinen Zug zu warten, macht ihn wütend. „Die Bahn muss sich schnell was einfallen lassen“, meint der Brieselanger, der im Bündnis Pro Regionalverkehr Osthavelland engagiert ist.

Die Gewerkschaften Transnet und GDBA haben für die Woche ab dem 25. Oktober bundesweit zu Warnstreiks im Regionalbahnverkehr aufgerufen. Grund sind die festgefahrenen Gespräche über einen Branchentarifvertrag. Die Gewerkschaften wollen einheitliche Löhne für alle Beschäftigten des regionalen Schienenverkehrs – sowohl bei der Deutschen Bahn (DB), als auch bei den privaten Bahnunternehmen, wie beispielsweise der Märkischen Regiobahn oder der Prignitzer Eisenbahn.

„Noch steht nicht genau fest, auf welchen Bahnlinien gestreikt wird“, sagt Michael Klein, Sprecher der Gewerkschaft Transnet. „Doch gerade Berlin wird aufgrund seiner besonderen politischen Bedeutung bestimmt nicht außer Acht gelassen“, kündigt er an. Damit könnte insbesondere der Pendlerverkehr – auch der aus dem Havelland – von den Warnstreiks betroffen sein, so der Sprecher.

Ralf Kothe hofft, dass es so weit erst gar nicht kommt. „Vielleicht ist das Androhen des Streiks nur ein Scharren mit den Hufen“, sagt er. Dass die Beschäftigten gleichen Lohn für alle wollen, kann der Brieselanger Pendler zwar verstehen. „Doch sollte der Streit nicht auf dem Rücken der Bahnfahrer ausgetragen werden“, meint er. Auch Transnet-Sprecher Michael Klein will die Kunden mit den geplanten Aktionen eigentlich nicht treffen, doch er weiß: „Wir werden sie treffen.“ Dass gerade die Pendler auf dem Weg von und zur Arbeit unter möglichen Zugausfällen besonders leiden, ist ihm bewusst. „Wir werden daher alles daran setzen, die Bahnfahrer möglichst früh über Ort und Zeit der Streiks zu informieren“, sagt er. Ab Ende nächster Woche könne er Genaueres sagen. „Dann können sich die Reisenden darauf einstellen.“

Die Deutsche Bahn hofft indes noch immer auf eine Lösung am Verhandlungstisch. „Für den 29. Oktober ist erneut ein Gespräch mit den Gewerkschaften geplant“, sagt DB-Personalsprecherin Dagmar Kaiser. Für die jetzt angekündigten Streiks habe ihr Unternehmen kein Verständnis. „Wir wollen weiter einen Kompromiss finden.“

Sollte es dennoch zu den Warnstreiks kommen, wünscht sich Ralf Kothe, dass der Notfallfahrplan der Bahn diesmal besser funktioniert. „Beim letzten Streik sollte der Regionalexpress in Brieselang halten, ist dann aber doch vorbeigerauscht“, erinnert er sich. „Da haben wir am Bahnsteig doppelt geflucht.“ (Von Meike Jänike)

Streit um gleichen Lohn
Die Gewerkschaften Transnet und GDBA wollen einen Branchentarifvertrag für die Beschäftigten des regionalen Schienenverkehrs durchsetzen. Der Tarifvertrag soll das Lohnniveau, das heute bereits für 90 Prozent der Beschäftigten gilt, für alle verbindlich machen. Das zielt auf die großen privaten Bahnunternehmen und auf die Töchter der Deutschen Bahn ab, die geringere Löhne zahlen. mei

© Märkische Allgemeine, Potsdam 2010

Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11915827/61759/Gewerkschaften-kuendigen-Aktionen-an-Regionalbahnen-koennten-Ende-Oktober.html

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