Die Meldung an das Finanzamt

Bereitet Ihnen jedes Jahr im Mai die Steuererklärung Bauschmerzen, sollten Sie lieber nicht mit einer Solaranlage liebäugeln. Eine Solaranlage auf dem Dach befördert den Betreiber in den steuerlichen Status eines Kleinunternehmers. Wer sich als Angestellter mit einfachem Lohnsteuerjahresausgleich von den steuerlichen Aspekten nicht abschrecken lässt, kommt in den Genuss, monatlich seine Vorsteuer erklären zu dürfen. Warum, wieso, weshalb – darüber gibt es zahlreiche Aufsätze, zuletzt vor wenigen Tagen in der Zeitschrift „Sonnenenergie“ (Heft 9 / 10, ab Seite 26).

Der zusätzliche Aufwand für die Steuererklärungen bleibt bei bloßer Unternehmereigenschaft durch den Verkauf von Solarenergie insgesamt gering. In der Regel handelt es sich bei den monatlich zu erklärenden Beträgen um die vom Energieversorger überwiesenen Gutschriften der Einspeisevergütung. Bei mir sind das tatsächlich alle regelmäßigen Einnahmen. So kann ich die auf der Rechnung von E.ON edis ausgewiesenen Beträge 1:1 in meine Vorsteueranmeldung übertragen.

Um die Eurobeträge korrekt zu ermitteln und an der richtigen Stelle in die amtlichen Formulare einzutragen, habe ich einen Steuerkurs besucht. Das ist sicher ganz hilfreich und kann jedem nur empfohlen werden. Neben dem Kennenlernen des wirklich einfachen Ausfüllens des Finanzamt-Formulars für die monatliche Vorsteuererklärung sowie der etwas aufwändigeren Einkommensteuer mit Einnahmen-Überschuss-Rechnung plagen einen im Vorfeld schon viele Fragen. Wann hat man Einnahmen? Was darf man „für die Firma“ angeschafft werden? Ist ein Gehalt statthaft? Wie muss man abschreiben?

Als Kleinunternehmer mit weniger als 17.500 Euro Jahresumsatz kann man das „Feierabendunternehmen“ von der Mehrwertsteuer befreien lassen. Es würde ein vereinfachtes Verfahren gelten: Ich würde die Mehrwertsteuer bei E.ON edis nicht einfordern, aber auch nicht beim Finanzamt erklären müssen. Das heißt: weniger Aufwand. Zahlt man aber in diesem Falle Mehrwertsteuer an ein nicht befreites Unternehmen (vermutlich alle Solarhersteller und Lieferanten), würde man diese Summe vom Finanzamt nicht ausgekehrt bekommen. Gerade bei der Anschubinvestition, also dem Kauf von Solarmodulen, fallen aber mehrere tausend Euro Mehrwertsteuer an. Diese wollte ich nicht erst nach 20 Jahren angeschrieben haben, denn dafür hätte ich einen höheren Kredit und damit mehr Zinsen zahlen müssen.

Will man also die ausgegebene Mehrwertsteuer für den Kaufpreis und den Aufbau der Anlage schnellstmöglich vom Finanzamt zurück haben, muss man auch die eingenommene Umsatzsteuer sofort an das Finanzamt weiter reichen. Daher rühren die monatlichen Vorsteuer- (= Umsatzsteuer-) Erklärungen wie beim Großkonzern.

Diese Erklärungen müssen für ein möglichst einfaches Verwaltungsverfahren (Bürokratieabbau oder eher papierloses Büro) online eingereicht werden. Die Bundesfinanzverwaltung hat dafür einen Formularserver eingerichtet. Einfacher geht‘s mit meiner Steuersoftware. Ich nutze für die Einkommensteuererklärung seit 2006 „WiSo Sparbuch“ von „Buhl Data“. Obwohl diese Software nicht für den Unternehmensbereich konzipiert ist, stehen für „Einkünfte aus Gewerbebetrieb“ einfache Module auch für die Vorsteuererklärung von „Feierabendunternehmen“ zur Verfügung.

Screenshot

Vorsteueranmeldung für August 2010 (Screenshot aus „WiSo Sparbuch“ mit Auslassungen)

Zwar fehlen die Zeilennummern aus dem richtigen Formular, doch erklärt sich das Modul selbst. Neben der Festlegung des jeweiligen Monats stehen die Felder für die Einnahmen und Ausgaben zur Verfügung (siehe Screenshot). Trägt man bei den Einnahmen die Netto-Summe der Einspeisevergütung ein (bei mir waren das aktuell für die vier Monate April – Juli 1421,18 Euro siehe Beitrag vom 20. August). Das „WiSo Sparbuch“ errechnet beim Tabulatordrücken daraus sofort die Steuerschuld (im konkreten Fall also 269,99 Euro). Da E.ON edis die Zählermiete von 9,36 Euro im Jahr auf alle Monate verteilt berechnet, ergänze ich bei den Ausgaben den Steueranteil (für August alle angefallenen Ausgaben rückwirkend für April – Juli in Höhe von 0,52 Euro). Fertig. Speichern und Senden. „WiSo“ baut eine Internetverbindung auf und überträgt die Angaben an das Finanzamt. Ich bekomme einen nichtamtlichen Sendebericht. Das war’s.

Screenshot 2

Vorsteueranmeldung für März 2010 (Screenshot aus „WiSo Sparbuch“ mit Auslassungen)

Um das Beispiel mit der zurückgeforderten Umsatzsteuer für den Kauf der Solaranlage zu verdeutlichen, anbei der Programm-Auszug für März 2010, dem Monat, in dem ich die Rechnung für meine Solaranlage bezahlt habe. Einnahmen gab es damals noch nicht, also bleiben die Felder leer. Bezahlt habe ich die Mehrwertsteuer an den Lieferanten. Wie in Zeile 62 des Papier-Formulars lautet die Zeilenbeschriftung „Vorsteuerbeträge aus Rechnungen von anderen Unternhmen …“ Hier trage ich die Summe der gezahlten Umsatzsteuer ein. Am Ende muss bei „verbleibender Betrag“ ein dickes Minus stehen. Das ist die Summe, die mir das Finanzamt überweisen muss.

Nicht zu vergessen. Von jeder Rechnung mit Umsatzsteuer, die bezahlt oder gestellt wurde, bekommt das Finanzamt eine Kopie per Post. Das muss wohl ganz traditionell sein, damit kein Bildbearbeitungsprogramm den Scan verändert, oder?

Die Kopien hatte ich schon am Donnerstag verschickt. Soeben habe ich die Onlinemeldung fertig gestellt. Sie hätte spätestens am 10. September beim Finanzamt eingehen müssen. Damit habe ich meine Pflicht erfüllt und das Wochenende kann beginnen!

P.S.: Natürlich darf hier der Hinweis nicht fehlen, dass dieser Artikel keine Rechtsberatung darstellt und ich keinerlei Haftung dafür übernehme, dass alle Angaben vollständig und korrekt erfolgt sind oder sich an der Rechtslage nicht einmal etwas ändern könnte. Deshalb: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Steuerberater oder Anwalt des Vertrauens. „WiSo Sparbuch“ ist eine Marke von „Buhl Data“.

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