Protest gegen Gaskraftwerk berechtigt oder egoistisch?

„Die Dagegen-Republik“ titelt der Spiegel. Über das Beispiel „Stuttgart 21“ hinaus betrachtet das Magazin die bewegte Republik mit ihren zunehmenden Kritiken an den Projekten der Politiker, die sich an Bürgerbegehren und Protesten festmachen. Der Spiegel schreibt: „Aber das heißt nicht, dass eine bessere Gesellschaft dabei herauskommt. Viele Proteste richten sich gegen Projekte in den Bereichen Verkehr und Energie und damit auch gegen eine Modernisierung des Landes.“ Und weiter: „Manche Bürger wollen nicht den Hamster retten, sondern ihren Ausblick.“ Den Autoren geht es um neuen Gemeinschaftssinn, schreiben sie, darum, dass jeder Bürger ein Opfer für die Gesellschaft zu bringen bereit ist. „Einer Bevölkerung muss immer mal wieder etwas zugemutet werden, sonst kann ein Land sich nicht entwickeln.“

Volkerziehung aus Hamburg? Oder was ist das? Gut- und Böse-Kategorien von einem Magazin? Oder von Autoren, die nach Abgabe des Manuskripts in ihre Häuser mit unverbaubaren Ausblick auf die Elbe zurückkehren? Die Menschen loben, die gegen den Bahnhofsneubau  in Stuttgart  oder gegen Atomkraftwerke demonstrieren. Aber jene kritisieren, die ihre Freiheit erhalten wollen, im Grünen zu wohnen? Wo ist die Grenze? Wer darf sie ziehen?

Sicher braucht Deutschland neue Kraftwerke, Stromleitungen und auch Straßen. Doch immer auch im lokalen Kontext. Meint, nicht zum Leidwesen der Bürger und nicht so, dass immer weitere ländliche Räume industriell verschandelt werden. Im Osten ist so viel zusammengebrochen, dass alte Industrieanlagen lieber einer neuen Nutzung zugeführt werden sollen, statt stets und ständig neue Flächen der Natur zu entreißen. Warum hat die Bundesregierung für Deutschland beschlossen, dass der täglich neue Flächenverbrauch sinken soll?

Nun kann man, um auf das Beispiel Wustermark zu kommen, argumentieren, dass dort ja bereits ein Gewerbegebiet mit Straßen, Hafen etc. ausgewiesen ist, es also auch nur eine Verdichtung von Bestehendem darstellt, weil der Flächennutzungsplan gar keine Ackerflächen mehr ausweist. Sicher muss aber ein Logistik-Großlager anders bewertet werden als eine Schreinerei, eine Tankstelle oder ein Fahrradverleih. Dann gilt das doch erst recht für ein Gas- und Dampfkraftwerk. Nur weil ein Gewerbegebiet ausgewiesen ist, müssen die Bürger nicht alles akzeptieren. Es darf mit dem im Spiegel zitierten Grundsatz nicht dazu kommen, dass Bürger ihre Gesundheit ruinieren müssen, weil es etwas zu modernisieren gibt. Das ist der Rückfall in das Deutschland der Gründerzeit.

Auch das Argument, die Nauener Platte wäre bereits durch die vielen Windkrafträder vorbelastet, darf nicht ziehen. Leider konnten wir sie nicht verhindern, weil der Planungsträger ab 2003 nicht die Gemeinden waren sondern die regionale Planungsgemeinschaft der Landkreise. Auch gegen die Windräder regte sich Protest. Eine vormals schöne Landschaft, für den sanften Tourismus geeignet, wurde so industriell umgewidmet.

In Premnitz, etwas weiter westlich von Wustermark im Havelland, warten die Menschen auf die Ansiedlung eines Gaskraftwerkes. Warum nicht dort von den Bürgern akzeptiert und auf alten Industrieflächen etwas Großes entwickeln? Hört auf die Bürger! Für Wustermark wird es doch wohl noch andere Möglichkeiten geben als umweltverschmutzende Industrie oder Kraftwerke. Saubere Umwelttechnik. Energiespartechnik. Beispiel Verbraucherschutz: Deutschland brauch neue regionale Kreisläufe, um nicht nur Supermarktkost mit Zuschlagstoffen, Aromen, Histaminen und Süßstoffen konsumieren zu müssen. Die Region hätte auch Potential als Tourismusgebiet. Herr Landrat, damit könnte der Kreis glänzen.

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