E.ON hält Einspeisevergütung zurück

E.ON ist vertragsbrüchig. Für einen der vier größten Energiekonzerne Deutschlands ist der Befund eines einzelnen, kleinen Solarstromerzeugers vielleicht nicht relevant, sollte aber peinlich sein. E.ON edis hat es nach vier Monaten Einspeisung und fast fünf Monaten Vertragslaufzeit noch nicht geschafft, Geld zu überweisen. Man könnte es auch drastischer ausdrücken: Neben dem Vertragsbruch verstößt E.ON gegen das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Das schreibt nämlich vor, dass die Energiekonzerne den Solarstrom abnehmen und besonders vergüten müssen.

Währenddessen sind knapp 4.000 Kilowattstunden durch die Leitung ins E.ON-Netz geflossen. Für den Konzern ganz sicher nicht der Rede wert, doch kann sich E.ON peu a peu auch mit jeder einzelnen in Brieselang eingespeisten Solarstrom-Einheit vom schmuddeligen Atomstrom-Image befreien und wieder ein bisschen hipper werden. Denn die dynamischen iPad- und iPhone-User wollen sauberen Strom.

Spaß beiseite. Wer einen Vertrag eingeht (auch wenn er dazu vom Staat gezwungen wurde), muss ihn auch erfüllen. Und im Vertrag steht, dass bis zum 15. des Folgemonats auf die Zählerstandsmeldung die Erstattung zu erfolgen hat. Da ich Anfang Juli den aktuellen Zählerstand gemeldet habe, war bis zum Wochenende die Überweisung für Juni fällig gewesen. Doch auch die Vormonate ist E.ON die Vergütung und die Mehrwertsteuer schuldig geblieben! Das Finanzamt hat deshalb noch keine Gutschrift erhalten.

Also hatte ich meine letzten Urlaubstage darauf verwendet, bei E.ON einen Ansprechpartner ans Telefon zu bekommen. Versteht sich von selbst, dass dies nur über 0180-Vorwahlen möglich ist. Nach Warteschlange wurde ich von der Abteilung der Zählerstandserfassung zum Bereich Abrechnung verwiesen. Zwischendurch versuchte ich beim Kundendienst in Falkensee den Ansprechpartner vom Vertragsschluss zu erreichen. Das läuft noch über eine Ortsnummer. Aber schon damals im März türmten sich die Akten. Die absehbare Reduzierung der gesetzlichen Einspeisevergütung hat den dortigen Arbeitsaufwand weiter gesteigert, weil Investitionen vorgezogen wurden. Nicht alle wurden rechtzeitig abgeschlossen. Und seit J. R. Ewing als ehemaliger „Dallas“-Ölbaron im Fernsehen für Solarworld Werbung macht, sprudeln die Anmeldungen sicher weiter. Sprechzeit bei E.ON edis in Falkensee ist also nur drei Tage in der Woche. Ständig ist die Leitung besetzt. Dann, erst nach Dienstschluss am Freitag, habe ich Herrn G. erreicht. Es gäbe eine Software-Umstellung. Aber der Vertrag sei zur Abrechnung an die Kollegen verschickt. Zurück nach Potsdam. Wieder eine 0180-Nummer. Nein, heißt es, ein Vertrag liegt nicht vor. Dann noch einmal in Falkensee anrufen. Herr G. weiß auch keinen Rat, es gebe nur noch den Vorstand in Fürstenwalde. Dort hat das Vorstandssekretariat eine reguläre Telefonnummer. Gut für meine Telefonrechnung, denn an 0180-Gebühren sind in vier Tagen 15 Euro aufgelaufen – allein für den Versuch, herauszufinden, wo intern bei E.ON edis die Panne liegt. Das ist nicht meine Aufgabe, aber nochmals vier Monate mochte ich auch nicht warten.

Wie hätte wohl E.ON reagiert, wenn ich meine Stromgebühren oder die Zählermiete von 9,32 Euro pro Jahr nicht entrichtet hätte? Nun will ich E.ON bewusst nicht den Stecker ziehen (hätten sie vielleicht gern; dann wären sie die gesetzliche Verpflichtung los). Also schreibe ich einen Beschwerdebrief an Vorstandschef Romeike und schicke eine Kopie an die Bundesnetzagentur. Die Kanzlerin auf Ihrer Energiereise will ich mal nicht mit einem 1.500-Euro-Problemchen belasten. Aber in den nächsten Tagen rufe ich bestimmt wieder an, als stetes schlechtes Gewissen quasi.

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13 Gedanken zu „E.ON hält Einspeisevergütung zurück

  1. Hallo Herr Kothe!
    Sehr guter Beitrag,bin leider gleichgesinter.
    Sie können meinen Beitrag, in der Moz vom 15.12.2010 ,lesen.
    Wenn nicht vorhanden,dann über Google ( MOZ Norbert Rose )dann zum Artikel.
    Es müßten sich viel mehr Leute beschweren,so daß die Schlaftabletten von Eon Edis,
    endlich mal wach grüttelt werden!
    Es wird immer nur von Einzelfällen gesprochen,wenn das so währe,sollte sich das Problem
    schon lange erledigt haben
    Sonnige Grüße
    N.Rose

  2. Pingback: E.ON spricht noch immer von Datenproblemen « Ralf Kothe aus Brieselang

  3. Hallo Herr Kothe,
    hat EON Ihre Rückstände mittlerweile beglichen? Ich bekomme seit zwei Quartalen auch nur einen Bruchteil der vereinbarten Vergütung. Ein Anruf verwies auch auf irgendwelche Probleme mit dem Konto.
    Ich komme aus Mittenwalde. Vielleicht sollte man sich zusammen tun. Zusammen sind wir stark!
    Grüße

    • Ja, es hat aber vier Monate gedauert. Seit August 2010 zahlt E.ON edis. Leider erfolgt dies ab und zu mit Abschlagszahlungen. Das erschwert natürlich den Überblick, was es kleinen GbRs nur unnötig mühsam macht, beim Finanzamt korrekte Angaben zu machen. Wie rechnet man aus einer Abschlagszahlung die Vorsteuer heraus? Im nächsten Monat muss dann die geschätzte Vorsteuer mit der korrekten abgeglichen werden, abzüglich der Zählermiete, auf die ja auch Umsatzsteuer gezahlt wurde.

  4. Bei mir war und ist es das selbe. Nur nicht die Eon sondern die Rheinenergie in Köln. Vorsichtshalber hat sie die Rheinische Netzgesellschaft für diese Spielchen gegründet, mit der ich meinen Vertag abschließen mußte. Abgerechnet wird monatlich eine Pauschale, die leicht unter der tatsächlichen Einspeisesumme liegt. Am Jahresende müßte dann eine Jahresabrechnung erfolgen, aber seit Januar 3 Monaten warte ich vergeblich auf die Abrechnung und auf die Nachvergütung von rund 1000 Euro. Alle Anrufe laufen nach dem gleichen Schema ab wie bei Eon. Niemand weiß garnichts und das auch nur nach jeweils Tausend Warteschleifen und Lügenmärchen unterschiedlichster Natur. Das Abrechnungssystem sei umgestellt worden. Die Software mache Probleme, die Zähler seien nicht ablesbar, die Zählerangaben seien zu komplex, die Bundesnetzagentur schaffe zu große Hürden, mache zu viele Vorgaben, es wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Der Hintergrund ist der, man will die Leute von Alternativenergie abschrecken, die Zinsen vom vorenthaltenen Geld einstreichen und Monopolist bleiben. Es ist ein kleiner Krieg und wie heute üblich ist er asymmetrisch. Die verlogenen Grünen kümmern sich nicht drum und die großen Energiekonzerne lachen sich ins Fäustchen und verkaufen Atomstrom.

  5. Hallo miteinander,

    die erste Rechnung habe ich Eon nach 4 1/2 Monaten gestellt. Mittlerweile läuft die Anlage fast ein Jahr ohne dass ich einen cent gesehen habe. Im Gegenteil, nach 6 Monaten kam mal ein Mitarbeiter von eon vorbei um den Zähler zu verplomben. Dafür haben die mir 120€ in Rechnung gestellt. Im Dezember kam dann die Aufforderung meinen Zählerstand abzulesen, da dachte ich endlich geht was weiter. Aber nix wars, im Februar habe ich den Brüdern die Jahresabschlussrechnung geschickt und eine Mahnung. 0-Reaktion darauf. Auf Anruf haben sie uns Unterlagen zugeschickt unverschämterweise als „Zweitschrift“ gekennzeichnet. Darin fragen sie diverse Daten von uns ab, die ich ihnen schon längst zugesandt hatte. Selbst auf die 2. Mahnung und die zurückgeschickten Unterlagen bisher 0-Reaktion. Bleibt wohl nur noch der gerichtliche Mahnbescheid, oder hat noch jemand eine andere Idee?

    • Das ist bedauerlich. Also ich würde nicht zuerst zum Anwalt rennen.
      Sicher, ein Jahr ist eine lange Zeit, doch muss es andere Wege geben. Schließlich ist E. ON nach Gesetz und Vertrag zur Abnahme verpflichtet.
      Haben Sie einen Einspeisevertrag geschlossen? Dann würde ich den Bearbeiter im E.ON- Regionalzentrum anrufen und einen Termin machen. Stimmen alle Angaben? Ist das Anschlusprotokoll korrekt ausgefüllt, unterschrieben und ins System eingetragen? Ja, kennt E.ON. die Anlage überhaupt? Werden die Rechnungen mit den richtigen Zählernummern an die richtigen Adressen geschickt? Fristgerecht? Kommen sie auch an? Kann E.ON diese Daren zuordnen und verarbeiten? Warum nicht? Dies sollte erst einmal beiderseitig offen besprochen werden.
      Wenn alle Daten und Meldewege stimmen, aber E.ON trotzdem inaktiv bleibt, würde ich ein Beschwerdeschreiben an die Bundesnetzagentur, das Bundesumweltministerium, ggf. den regionalen Bundestagsabgeordneten (EEG-Gesetz des Bundes) schreiben und eine Kopie an die regionale Presse senden. Wie Kommentare hier ja zeigen, scheint das ab und an Erfolg zu haben. Wenn alles nicht hilft, bleibt immer noch der Anwalt. Oder das Amtsgericht. Eigentlich dürfte ein vollstreckbarer Titel reichen, aber ich bin kein Jurist. Die Kosten müsste wohl E.ON tragen, weil das Gesetz ja schon den Anspruch definiert und keine Ausnahme macht (es sei denn die Photovoltaikanlage steht auf einer Ackerfläche).
      Viel Glück.

  6. Die EON macht kein Geheimniss daraus – sie zahlt einfach nicht! Seit 3 Monaten warte ich auf meine Geld – das darlehen will bedient werden und die Rahmenkosten für den Betrieb einer solchen Anlage müssen mühsam anderweitig beschafft werden. Die systemumstellung ist nur ein Vorwand. Von Seiten der EON gibt es keinerlei Information an Betreiber von PV Anlagen. Alle Details zu derer Zahlungsmoral müssen den Callcenter Mitarbeitern aus den Fingern gesogen werden. Auch höher priorisierte Beschwerden werden nicht bearbeitet; Keinerlei Information, keine Rückmeldung , kein – bitte gedulden sie sich – im Moment zahlt die EON nicht! Ich hätte keine 14 Tage – dann wäre ich am Pranger. Gern würde ich meinen Strom an den jenigen verkaufen, der Versprechungen einhält, Zusagen nachkommt udn Verbindlich und Redlich mit seinen Kunden umgeht. Willkommen zurück im Monopol und der Thyrannei!

  7. Bei mir das gleiche Problem. Für die erste Anlage erhielt ich 2011 alle Zahlungen. Die Februarrate blieb aus.

    Die zweite Anlage ging im Dezember 2011 ans Netz. Trotz telef. Zusage bis heute kein Cent.

    Ebenso erhalte ich für einen Baustromzähler, der im März 2010 abgeklemmt wurde und für den bis Ende 2011 !!! Abschläge abgebucht wurden, einfach keine Rückerstattung.

    Was ist denn da los?

  8. Pingback: Umfrage zur Zuverlässigkeit der Einspeisevergütung | Ralf Kothe

  9. kann mich allen Kommentaren hier nur anschließen. Mit meiner PV-Anlage (5,64 kWp seit 08/2011) am Netz von E.ON Bayern ist es dasselbe Trauerspiel! Habe in 2011 zwar Abschläge erhalten und auch eine Jahresabrechnung, die jedoch falsch war. Auf eine Korrektur dieser als auch auf Abschläge seit Januar 2012 warte ich bis heute vergeblich. Auf Anrufe (wenn man denn mal durchkommt) erhielt ich zwar die Zusage, dass die Angelegenheit nun als „Beschwerde“ eingestuft wir und dadurch vorrangig bearbeitet wird, auf Mails an photovoltak@eon-bayern.de erhält man nie eine Antwort. Die Ausreden „Neue Software, Systemumstellung“ sind seit Monaten immer diesselben und nun nicht mehr glaubhaft. Irgendwann muss doch auch der letzte Mitarbeiter geschult sein!
    Im Gegensatz zu kleinen Netzbetreibern in der Gegend, die die vorgeschriebene Systemumstellung/-trennung (in NETZ und VERTIEB) bestens und ohne geringste Verzögerungen für die Kunden gestemmt haben, hat E.ON wohl grottenschlecht oder gar nicht geschultes oder schlicht zu wenig Personal, oder es krankt dauerhaft und massiv am Management!
    Habe nun „böse“ Briefe an den Vorstandsvorsitzenden als auch an den Aufsichtsratsvorsitzenden geschrieben und eine Frist bis Ende Juni gesetzt. Danach werde ich einen Anwalt zur Eintreibung der Vergütung beauftragen und ggf. ein Missbrauchsverfahren bei der Bundesnetzagentur einleiten. Es ist erbärmlich und traurig, dass man zu solchen Schritten regelrecht gezwungen wird.

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