Übertriebener Streit um StreetView

Die Aufregung um Google StreetView ist übertrieben. Das geniale Programm ist noch nicht mal online, da redet jeder mit, als wenn er Informatiker, Social Media-Experte, Psychotherapeut Datenschützer und Grundbesitzer in einer Person wäre. Typisch deutsch.

Klar könnte ich verstehen, wenn sich jemand für sein Haus schämen würde, und es nicht auf alle Zeit im Internet sehen wollte. Zum Beispiel jemand, der mit einem großen Spritvertilger über unsere Straßen brettert: schwarz, breit, schwer. Und wahrscheinlich teuer. Sein Haus ist aber noch nicht fertig verputzt. Einen Carport für das Edelmetall war offenbar auch nicht drin (im Haushaltsetat). Und auch keine kleine Hütte für Krimskrams: Fahrräder und Gartengerät stehen wild umher. Die Treppe hat kein Geländer. Das Unkraut wuchert, während die Beeteinfassungen aus Holz aufgesprungen sind. Ganz ehrlich: Auch ohne Google StreetView möchte ich dieses Bild nicht jeden Tag sehen müssen.

Dass Google beim Fotografieren der Straßen WLAN-Verbindungsdaten samt Passwörtern abgegriffen hat, ist ein Verstoß gegen den Datenschutz und gehört vor Gericht geklärt. Dafür reicht die Gesetzeslage. Die Bildidee und die Umsetzung in Google StreetView sind genial! Dieses Mamut-Projekt anzugehen und zum freien Zugang aller als kostenlosen Dienst anzubieten, fordert Respekt. Allein die Datenmengen! Dabei ist Google StreetView keine Webcam, die aktuell immer „Neuigkeiten“ transportiert.

Googles Hauptquartier in San Cupertino bei San Francisco bei Google Street-View

Googles Hauptquartier in San Cupertino bei San Francisco bei Google Street-View

In StreetView kann man sich vor- und zurück bewegen tatsächlich (fast) wie vor Ort

In StreetView kann man sich vor- und zurück bewegen tatsächlich (fast) wie vor Ort

In ein Bild kann man hineinzoomen und eine 360 Grad-Ansicht aufrufen

In ein Bild kann man hineinzoomen und eine 360 Grad-Ansicht aufrufen

Auch Google StreetView zeigt nicht die wahre Wirklichkeit, wie die Flickr Bilder zeigen (Regen etc.)

Auch Google StreetView zeigt nicht die wahre Wirklichkeit, wie die Flickr Bilder zeigen (Regen etc.)

Sicher jeder, der sich schon einmal kommunalpolitisch engagiert hat oder mit lokalen Community-Gedanken für das Internet beschäftigt hat, kommt früher oder später auf den Wunsch, über ein Abbild der Realität zu verfügen. Wie weit ist es vom Eingang des Nymphensees zum Strand? Wie sieht diese oder jene Kreuzung genau aus? Wäre am Haus A noch Platz für einen Parkplatz? Gibt es in Straße X wirklich einen Durchgang zum Weg Y?

Kommunalpolitiker helfen sich mit ArchiKart oder anderen Vermesserlösungen. Autofahrer nutzen Atlanten oder zunehmend dreidimensionale Navigationsgeräte. Wir alle verwenden Google Maps auch mit Satellitenfoto von oben, manche schwören auf Google Earth. StreetView die konsequente Weiterentwicklung von Maps und den Möglichkeiten zur Präsentation von Bildern im Internet. Sollen Atlanten künftig auch gepixelt werden?

Nur negativ ist zum Glück die Berichterstattung tatsächlich nicht. Die Tagesschau nimmt in ihr Onlineangebot heute zumindest eine Übersicht auf mit Vor- und Nachteilen.

Jeder darf frei entscheiden: Die Möglichkeit fürs Pixeln bleibt bestehen. Schluss also mit dem Sommerlochtheater in den Medien. Wer Pixeln will, soll es meinetwegen machen. Ich hoffe, es nutzen nicht allzuviele diese Möglichkeit.

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