Hitzestau täglich, auch ohne Havarie

Ein Brieselanger Mitpendler, den ich seit Jahren in der Regionalbahn treffe, erzählte mir heute schier Unglaubliches. Gestern, also am Montagabend, hielt die Bahn, die 19 Uhr in Brieselang sein sollte, kurz nach Albrechtshof auf freier Strecke. Keine Information und die Zeit verstreicht. Die schwitzenden Fahrgäste blieben im Unklaren. Leichte Panik zieht auf.

Es war wahrscheinlich der heißeste Tag des Jahres. Während sich im Westen schon die Gewitter und Unwetter entladen, ist es im Berliner Raum unerträglich schwül. Die Türen verschlossen, die Fenster nur Spaltbreit zu öffnen. Die Menschen waren Gefangene.

Weitere Zeit verstreicht. Keine Durchsage, kein Schaffner. Nach etwa einer halben Stunde fährt die Bahn langsam zurück nach Albrechtshof. Hier werden die Türen geöffnet. Die benommenen Fahrgäste strömen auf den Bahnsteig, viele steuern den nahen Discounter an, plündern das Wasser-Reservoire. Wie es weiter geht, bleibt unklar.

Noch immer gibt es keine Informationen. Es werden Fahrgemeinschaften zusammen telefoniert. So kommt auch der Erzähler gegen 20:30 Uhr in Brieselang an. Andere Fahrgäste berichten, sie mussten nach Wustermark fahren, von dort ging es mit Bussen weiter. Verspätungen von 45 – 70 Minuten waren die Folge.

Das Problem der Bahn heißt nicht (nur) ICE. Denn auch in den Altzügen der Deutschen Reichsbahn, die noch immer als umlackierte Regionalbahnen ihren Dienst tun, wird es im Sommer brütend heiß. Täglich, auch ohne Havarie! Bei Außentemperaturen von 38 Grad Celsius und bei etwa 12 Zentimeter aufklappbaren Fenstern wird es im Innern bestimmt 50 Grad Celsius und mehr warm. Dies dürfen Fahrgäste der RB 10 / RB 14 zwischen Berlin und Nauen (und natürlich anderswo) seit Tagen leidvoll erfahren – ganz ohne Entschuldigung oder Entschädigung. An dieser Stelle sollen aber ausdrücklich die Mitarbeiter der Bahn auch bedacht werden, die die Züge – sofern sie pünktlich sind – nicht mal am Ziel verlassen dürfen, weil die Schicht noch nicht zu Ende ist.

Auch Ärgerlich: Für die RB 10 / RB 14 kann leider keine Entwarnung gegeben werden! Zum einen ist der Austausch des Fuhrparks erst für Dezember 2011 vorgesehen. Doch verantwortliche Vertreter der Bahn haben bereits angekündigt, dass der Wagenwechsel zur „Talent“-Reihe später erfolgen wird (dazu im CDU-Blog). Angeblich kommt die Industrie nicht mit den Bestellungen nach. Das wäre natürlich ein neues Armutszeugnis für den Standort Deutschland: Achsbruch, ausgefallene Klimaanlagen, defekte Türen und nun auch noch Lieferschwierigkeiten. Klingt nach einem Entwicklungs- oder Schwellenland. Man sollte meinen, selbst ein Hersteller im Land Brandenburg sollte erkannt haben, dass er als Lieferant auch pünktlich liefern muss. Zumal bei einer vertraglichen Bestellzeit von rund 36 Monaten.

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