„Mein Brieselang“ als Online-Community

Dieser Beitrag vertieft Gedanken zum Beitrag „Demokratie vor leeren Rängen“ vom 25. Mai 2010 und sucht Antworten auf die Frage, wie Information für Mitwirkung der Bürger für Brieselang zu sichern ist:

In Bredow, Zeestow und Brieselang erschwert die Siedlungsstruktur eine flächendeckende Verteilung gedruckter Informationen in Form von Zeitungen, Flugblättern oder regionalen Magazinen. Selbst die Wochenblätter erreichen nicht jeden Haushalt.

Die Gemeindeverwaltung kann ihre Amtsblätter nicht jedem Haushalt zustellen. Sie sind aber im Internet abrufbar (Homepage Gemeinde Brieselang / Bürgerservice / Amtsblätter: http://www.gemeindebrieselang.de/city_info/webaccessibility/index.cfm?region_id=342&waid=41&item_id=837969&oldrecord=40481&oldmodul=5&olddesign=0&oldkeyword=0&oldeps=20&oldaz=all&oldcat=0&fsize=1) oder können per E-Mail-Bestellung abonniert werden (sitzungsdienst@gemeindebrieselang.de).

Bei bestimmten Themen verteilen die politischen Organisationen Bürgerbriefe und Broschüren. Außerhalb von Wahlkampfzeiten stößt der logistische und personelle Aufwand schnell an Grenzen. Information mit Gedrucktem fällt meist aus. Erste Blogger sind mehr oder weniger kontinuierlich aktiv. Es wird in der Gemeindevertretung informiert. Ab und zu berichtet die Tagespresse, doch die Bestellquote der MAZ soll dem Vernehmen nach bei etwa 20 Prozent liegen. Tendenz sinkend. Eine solche Haushaltsabdeckung grenzt an die wirtschaftliche Verlustzone  des Verlages. Klar, dass die Abo-Preise stetig steigen, was weitere Leser abspringen lässt. Wie lange haben wir noch eine Tageszeitung? Die Morgenpost schloss schon vor Jahren ihre Havelland-Ausgabe. Die Wochenzeitungen berichten selten aus Brieselang. Hier geben die zusammen gedampften Redaktionen einen Vorgeschmack auf Kommendes bei der MAZ.

Der „Brieselanger Kurier“ musste sein Erscheinen 2008 einstellen. Hier gab es zu Beginn des Jahrtausends noch einen ehrenamtlichen Redaktionsbeirat, doch das Engagement erlahmte. Der Versuch eines 3-Mann/Frau-Teams, mit dem „Brieselanger Echo“ etwas Neues zu versuchen, ist leider aus anderen Gründen eingeschlafen. Doch auch hier blieb die Verteilung das große Problem. „Die Mitte“ wusste noch nicht zu begeistern. Neues ist nicht in Sicht.

Brieselanger Web

Homepage Link-Liste 2008

Bleiben Online-Angebote. Das mehr oder weniger gelungen. Eine Homepage-Link-Liste der CDU Brieselang brachte es 2005 und 2006 zwar auf mehr als 140 Seiten aus oder über Brieselang (inzwischen abgeschaltet), doch Web 2.0-Angebote mit Feedback, Diskussionsforen, Kalender und anderen Gimmicks sind leider kaum dabei. Die ersten Beispiele bei Vereinen decken leider nur ein begrenztes Themenfeld ab.

„brieselang.de“ hatte schon vom Namen her den größten Anspruch. In den 90er Jahren war „brieselang.de“ das erste multithemen-basierte Portal für Brieselang und lag Monate wenn nicht gar Jahre vor anderen Angeboten aus der Region wie etwa in Falkensee oder Nauen. Innovativ waren der Kleinanzeigenmarkt und das (externe) Diskussionsforum. Technisch war der manuelle Betrieb mittels händischem HTML aber nicht mehr leistbar – ein CMS stand nie hinter der Seite –, weshalb dieses Angebot auch eingestellt wurde. Heute ist „brieselang.de“ nur noch eine Link-Liste zu wenigen anderen Angeboten im Ort. Großes Lob trotzdem an den Webmaster Thomas Gitzel. Ohne „brieselang.de“ fehlte damals dem Ort ein Stück Kommunikation.

Mediennutzung und die Kommunikationsweise unterscheiden sich heute vom Ende der 90er Jahre. Modern ist anders, das thüringische Beispiel NNZ zeigt, was machbar ist (und wie damit auch Geld einzunehmen ist). Modern ist heutzutage technisch machbar, ohne mit explodierenden Kosten kämpfen zu müssen.

Wo liegt die Lösung für Brieselang?

Dies kann aus meiner Sicht eine Online-Community sein. Vor zwei Jahren kreisten mir erstmals solche Gedanken durch den Kopf: Kein festes (Redaktions-) Team sondern jeder interessierte Brieselanger hat Zugriff, kann Artikel beisteuern, Tagebucheinträge verfassen, Fotos oder Videos, Links und Kleinanzeigen hochladen, Kommentare schreiben, Gruppen gründen und Veranstaltungen ankündigen. Alles mit modernen Webtechnologien barrierearm, auf große Nutzerfreundlichkeit getrimmt und für Administratoren möglichst einfach gehalten. Vereine hätten endlich die eine Plattform, Parteien und Fraktionen kämen an die Bürger und Wähler, die nirgends sonst so direkt ihre Volksvertreter erreichten: 24 Stunden an jedem Tag verfügbar. Jedem stünde eine persönliche Profilseite zu, quasi eine kleine Homepage zum Eintritt in „Mein Brieselang“. Von dieser Basis kann gechattet oder intern an andere Personen oder alle Mitglieder einer Gruppe gemailt werden. Von der Profilseite können Bilder hochgeladen und freigeschaltet oder gesperrt werden, ebenso Blogs, Termine, Pinnwand-Meldungen oder einfach nur passiv gesurft werden, um zu schauen, was die anderen so machen. Dieses lokale Facebook (oder MySpace) könnte für Sportmeldungen, Nachrichten, Terminhinweise und lokale Galerien und nicht zuletzt für Kampagnen der Vereine, Bürgerinitiativen und wahlkämpfenden Parteien genutzt werden.

Natürlich könnte eine solche Gruppe „Brieselang“ bei Facebook gegründet werden. Die nachfolgenden Beispiele sollen zeigen, dass ein eigenes lokales Netzwerk noch mehr Spaß machen kann und viel mehr Power hat.

Bürgerstadt Köln Portal

Bürgerstadt Köln Portal

Bürgerstadt Köln Diskussionsforum

Bürgerstadt Köln Forum

Bürgerstadt Köln Termine

Bürgerstadt Köln Termine

NING ist eine ideale Software, die ein lokales Soziales Netzwerk bauen kann. Die „Bürgerstadt Köln“ (http://koelner.ning.com) ist ein passendes Beispiel und wäre einfach auf Brieselang zu übertragen. Politisch nutzt die SPD Brandenburg ein NING-Netzwerk (http://www.m-community.org). Leider wurde im Jahre 2010 die Software NING kostenpflichtig. Tribax aus Berlin bietet Software und Beratung für professionelle wie private Netzwerke (MyTribax.com) an, die auch von Organisationen und Vereinen genutzt werden können.

Screenshot Tribax

Screenshot Tribax

Vorlagen Tribax

Vorlagen Tribax

Screenshot Mixxt

Screenshot Mixxt

Screenshot Elgg

Screenshot Elgg

Weitere von t3n gelinkte Software-Anbieter sind mixxt.de und elgg.org. Und selbst WordPress kann mit BuddyPress zum Sozialen Netzwerk wachsen. „sheepworld.de“ – ein Vertrieb von schafigen Postkarten und Geschenkartikeln für Einsame und Verliebte mit dem passenden Slogan „Ohne Dich ist alles doof“ – baut mit BuddyPress ein Angebot auf, das einen mit seiner Informationsfülle schier erschlägt. Als Muster für Zielgruppenansprache ganz brauchbar, weil die Bord-Tools sinnvoll genutzt werden: Blog mit verschiedenen Autoren, Newsletter an sechsstellige Abonnentenzahlen, hier sogar Online-Shop, Foren, Umfrage, Chat, eCards, Facebook-Anbindung, Presse-Spiegel sowie beliebteste Seiten, letzte Kommentare etc. Aus der Community kommen Bilder, Texte und sogar Songs zurück und werden eingebunden. Statt Versandhandel würde es bei „Mein Brieselang“ aber um Nachrichten, Diskussionen, Vereinsentwicklungen und gemeinsame Projekte gehen. Und das Ganze ist kostenlos – unglaublich.

Ich melde hiermit meine Urheberschaft an einem solchen Projekt an, ob es nun „Mein Brieselang“ heißt oder anders! Mitmachen würde ich gern, doch selbst fehlt mir die Zeit, ein solches Projekt (allein) aufzubauen. Die Federführung sollte ein Verein übernehmen, alle Fraktionen der Gemeindevertretung sollten zum Kooperieren eingeladen werden. Vielleicht kann die Oberschule projektbegleitend für die Mitwirkung gewonnen werden.

Eine solche Community zu administrieren, ist heute dank fertiger Templates kein großer Aufwand. Als wichtigste Aufgabe neben den Registrieren einer Domain und dem Aufspielen der kostenfreien Software sehe ich das Festlegen von verbindlichen Spielregeln. Darf man sich unter einem Nicknamen anmelden oder nur unter einem verifizierten Klarnamen? Werden Beiträge vor der Freischaltung geprüft? Wann müssen Beiträge vom Redaktionsrat gelöscht werden? Solche Fragen eben, die das geordnete Zusammenspiel der Meinungen sicher stellen. Kontroversen ja, Beleidigungen und Unwahrheiten nein.

Was glauben Sie? Kann man so etwas für Brieselang aufbauen? Würde dieses Podium genutzt?

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